Nicht am falschen Ende sparen

Ein Kind, das gerade das Lesen für sich entdeckt, braucht Nachschub. Neue Geschichten, Antworten auf all die Fragen, die ihm durch den Kopf gehen. Wie gut, wenn die Eltern dafür nicht jedes Buch einzeln kaufen müssen. In unserer Stadtbibliothek darf die Neugier größer sein als der Geldbeutel.

Die Stadtbibliothek kostet die Stadt rund vier Millionen Euro im Jahr. Das ist viel Geld, keine Frage. Wird aktuell öffentlich diskutiert, die Stadtbibliothek zu schließen? Zum Glück nicht. Aber Saarbrücken ist keine reiche Stadt, der Spardruck hoch. Bevor also jemand auf falsche Ideen kommt: Wir dürfen die Stadtbibliothek nicht einsparen.

Nicht jeder Jugendliche hat zu Hause einen Schreibtisch. Wer sich zum Lernen den Küchentisch mit seinen Geschwistern teilt, findet am Gustav-Regler-Platz einen Arbeitsplatz, an dem er sich auf die nächste Klassenarbeit konzentrieren kann. Manchmal geht es auch einfach darum, Zeitung zu lesen und unter Menschen zu sein. Dafür muss niemand einen Kaffee bestellen. Wer oft allein zu Hause sitzt, hat einen Ort, an den er gehen kann.

Ein Kind, das noch nicht weiß, was es gerne liest, findet sein nächstes Lieblingsbuch vielleicht durch einen guten Tipp einer Mitarbeiterin. Dafür geben wir Geld aus: für Menschen, die helfen, für Medien, die neugierig machen, und für einen Ort, der allen offensteht. Gerade wer sich Bücher und Zeitungsabos nicht selbst leisten kann, ist auf diesen Zugang angewiesen. Ihn zu erschweren, wäre ein zu hoher Preis fürs Sparen. Mir ist die Stadtbibliothek dieses Geld wert.

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