Massenentlassung bei der SSG: Wir fordern Aufklärung

Die Stadt predigt Verantwortung und lässt ihre eigenen Leute fallen. Anders lässt sich das Chaos rund um die Saar-Service GmbH (SSG) kaum zusammenfassen. Während Dutzende Reinigungskräfte ihre Kündigungen erhalten, herrscht im Rathaus vor allem eines: Schweigen.

Wie kann es sein, dass ein millionenschwerer Auftrag der Stadt nicht an die eigene Tochtergesellschaft geht, sondern an ein Unternehmen aus Bad Kreuznach? Und warum verliert ausgerechnet die SSG, die jahrelang eng mit dieser Firma verbunden war, plötzlich gegen genau dieses Unternehmen?

Noch pikanter wird der Fall dadurch, dass die SSG bis 2024 selbst Mehrheitseigentümerin der Firma aus Bad Kreuznach gewesen ist. Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um sich zu fragen, wie diese Konstruktion politisch erklärt werden soll.

Wenn Ausschreibungen nur noch über den billigsten Preis entschieden werden, zahlen am Ende nicht die Verantwortlichen die Zeche, sondern die Beschäftigten. Gerade in der Gebäudereinigung bedeutet „billiger“ oft nichts anderes als: weniger Zeit pro Raum, mehr Druck, schlechtere Arbeitsbedingungen. Denn natürlich kann man ein Klassenzimmer schneller reinigen… Zumindest auf dem Papier. In der Realität heißt das: mehr Stress für die Beschäftigten, höhere Belastung und am Ende oft schlechtere Qualität. Die Leidtragenden sind allerdings immer die Beschäftigten und das kann nun wirklich nicht die Lösung sein.

Besonders unerquicklich wirkt dabei die Rolle der Stadtspitze. Oberbürgermeister Uwe Conradt und die zuständigen CDU-Dezernenten Patrick Berberich und Sascha Grimm müssen erklären, wie es zu dieser Entscheidung kam. Grimm steht zusätzlich als Aufsichtsratsvorsitzender der SSG in besonderer Verantwortung. Wer gleichzeitig Verantwortung trägt und tatenlos zusieht, darf sich kritische Fragen gefallen lassen.

Wir fordern deshalb, soziale und ethische Kriterien künftig stärker bei Ausschreibungen zu berücksichtigen. Öffentliche Aufträge dürfen nicht ausschließlich nach dem billigsten Preis vergeben werden, vor allem dann nicht, wenn die öffentliche Hand selbst beteiligt ist.

Wenn Saarbrücken nun bei seinen eigenen Beschäftigten spart, dann ist das kein Zeichen kluger Haushaltsführung. Es ist ein politisches Armutszeugnis.

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