Man muss sich das einmal vor Augen führen: Während in Deutschland über Digitalisierung, Mobilitätswende und gesellschaftliche Teilhabe diskutiert wird, steht in Güdingen noch immer ein Bahnhof, der für viele Menschen kaum nutzbar ist.
Für Menschen mit Behinderungen, Rollstuhlfahrer, Eltern mit Kinderwagen oder ältere Bürgerinnen und Bürger sind die Bahnsteige bis heute nur schwer oder gar nicht erreichbar. Radfahrer müssen ihre Fahrräder mühsam die Treppen hinauftragen. Ein Zustand, der nicht nur unzeitgemäß, sondern schlicht diskriminierend ist.
Und das Schlimmste daran: Dieses Problem ist seit Jahrzehnten bekannt.
Bereits vor mehr als 20 Jahren wurde öffentlich über die fehlende Barrierefreiheit am Güdinger Bahnhof diskutiert. Schon damals war klar, dass gehandelt werden muss. 2013 verkündete die Deutsche Bahn, der Umbau werde 2015 beginnen und 2017 abgeschlossen sein. Später wurde 2021 genannt. Dann hieß es 2023. Danach 2025.
Heute schreiben wir das Jahr 2026.
Passiert ist: nichts.
Statt Baggern und Bauarbeitern gab es in all den Jahren vor allem eines: neue Ausreden. Mal war es die Planung die fehlte, mal irgendwelche Abstimmungen. Und jetzt scheitert es an der Baugenehmigung des Eisenbahn-Bundesamtes.
Wir sprechen hier nicht über ein milliardenschweres Großprojekt wie Stuttgart 21. Wir sprechen über zwei Bahnsteige, die für alle Menschen erreichbar sein sollen. Dabei ist Barrierefreiheit kein Luxusprojekt. Sie ist eine grundlegende Voraussetzung dafür, dass alle Menschen am öffentlichen Leben teilnehmen können. Was in Güdingen vor sich geht ist ein Armutszeugnis für die Deutsche Bahn und für alle Verantwortlichen, die dieses Projekt seit Jahren nicht auf die Schiene bekommen.
Die Geduld der Bürgerinnen und Bürger ist längst aufgebraucht. Die Deutsche Bahn muss endlich handeln. Nicht nächstes Jahr. Nicht nach der nächsten Genehmigung. Nicht nach der nächsten Abstimmungsrunde. Sondern jetzt. Güdingen wartet lange genug.




