Seit zwei Wochen sind die Restaurants, Kneipen und Bars in Saarbrücken wieder geschlossen. Bereits im Frühjahr mussten Gastronom*innen durch einen Lockdown erhebliche Umsatzeinbußen hinnehmen und blicken nun erneut einer ungewissen Zukunft entgegen. Wir haben Sascha Haas, unseren Stadtverordneten für Bau, Kultur und Soziales gefragt, wie er die aktuelle Situation einschätzt.

Hallo Sascha. Du bist in engen Kontakten mit vielen Leuten, die davon betroffen sind – wie ist die Stimmung unter den Gastronom*innen?

Viele Gastronom*innen haben gute Hygienekonzepte und nochmal für den Winter erheblich investiert, damit sich Gäste bei ihrem Besuch wohlfühlen und sich vor einer möglichen Infektion schützen können. Das nun ihre Branche als erste schließen musste haben viele nicht nachvollziehen können. Vor allem, wenn dann Bundeswirtschaftsminister Altmaier noch vorschlägt, Gastronomiebetriebe für den Schulunterricht zu nutzen, da man dort die Hygiene- und Abstandsregelungen gut einhalten kann.

Die größten Sorgen machen derzeit den Gastronom*innen, dass immer noch nicht genau klar ist, wann sie die versprochenen Novemberhilfen erhalten. Mit der Einleitung des Teillockdowns hat die Bundesregierung versprochen, dass die Gastronomie bis zu 75 Prozent ihres Vorjahresumsatzes als Zuschuss erhält. Die Betriebe sind dringend auf das Geld angewiesen, sonst wird es für viele zum Jahresende knapp. Große finanzielle Polster sind bei den meisten Restaurants und Bars nicht vorhanden bzw. aufgebraucht. Berlin darf sich hier nicht länger Zeit lassen.

Wie geht deiner Meinung nach die Stadt mit den Sorgen der Gastronom*innen um? Unternimmt die Stadtverwaltung genug, um die Verluste aufzufangen?

Die Stadt hat in meinen Augen viel Zeit verpennt. Andere Städte und Gemeinden haben durch schnelles und kreatives Handeln ihre Gastronomie vor Ort unterstützt: Erlass der Gebühren für die Außengastronomie, Erlauben von gasbetriebenen Heizpilzen für die Herbst- und Wintersaison oder die Umnutzung von Parkraum als Fläche für die Außenterasse der ansässigen Gastronomie. Schon im Frühjahr haben wir auf die Möglichkeiten hingewiesen und entsprechende Anträge gestellt. Leider wurden von der Ratsmehrheit die Anträge abgelehnt und auf runde Tische vertröstet. Für die finanzielle Entlastung suchte man sich die leichteste Antwort: Man müsse wegen der Haushaltslage alle Einnahmemöglichkeiten nutzen. Eine faule Ausrede. Denn wer jetzt die Betriebe finanziell unterstützt, sichert nicht nur deren Existenz und Arbeitsplätze, sondern auch die Steuereinnahmen in der Zukunft. Außerdem ist für mich klar, dass für die Gastronomie, die uns in der Pandemie verloren geht, so schnell kein Ersatz mehr nachkommen wird. Das wäre ein herber Verlust für die weitere Entwicklung unserer Innenstädte.

Was muss deiner Meinung nach besser werden?

Die Stadtverwaltung muss lernen, dass man in Zeiten der Pandemie nicht nach Schema F arbeiten kann. Es bedarf schneller Hilfen und kreativer Lösungen für die gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen der Gastronomie. Dafür brauchen wir Menschen in der Verwaltung, die den Mut haben diese Dinge auch auszuprobieren und umzusetzen.