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Für eine konstruktive Weiterentwicklung der Kulturförderung!

Die Diskussion über eine Änderung der Zuschussvergabe für die Freie Szene versetzt im Moment viele Künstler*innen in Aufruhr. Während der Corona-Krise hatte Jamaika im Frühjahr die bisherige Förderung kurzfristig ganz in Frage gestellt. Auf Druck von uns und vielen anderen haben sie dann doch noch die Kurve gekriegt. Manche fordern nun, den Fördertopf ganz neu aufzuteilen, manche wollen die Mittelvergabe ausschließlich durch eine, wechselnde Jury aus Experten unterschiedlicher Fachrichtungenorganisieren.

Bisher gibt es dazu aber weder eine klare Haltung der Stadtverwaltung noch sonst irgendwelche Vorschläge leider auch und gerade nicht zur künftigen Höhe des Kulturetats. Wir werden darauf drängen, den Kulturetat insgesamt deutlich auszuweiten. Uns ist dabei wichtig, dass auch weiterhin kleine, nicht-kommerzielle Projekte der Freien Szene eine reelle Chance haben, von städtischer Förderung zu profitieren. Es gibt in unserer Stadt eine angesehene und hochprofessionell arbeitende Freie Kulturszene, für deren Erhalt diese Förderung notwendig ist. Und solange die Krise andauert, sollte alles getan werden, um den Erhalt der notwendigen Infrastrukturen Spielstätten, Festivals, Clubs etc. sicherzustellen. Deshalb braucht die Stadtverwaltung auch einen Plan für 2021, den sie bisher ganz offenkundig nicht hat. Darüber werden wir bei den Haushaltsberatungen diskutieren müssen.

Den Vorschlag, anstatt der Stadtverordneten eine wechselnde Jury mit der Mittelvergabe zu beauftragen, sehen wir als Missachtung des Fachwissens und Engagements der gewählten Mitglieder des Kulturausschusses an. Die Stadtverordneten, die im Kulturausschuss über die Mittelvergabe für die Freie Szene entscheiden, folgen nicht einfach blind den Vorschlägen der Verwaltung. Für uns ist völlig klar, dass die letzte Entscheidungsbefugnis hier beim Stadtrat liegt und die Entscheidung auch weiterhin im Kulturausschuss vorbereitet werden muss. Daran gibt es also nichts zu rütteln.

Man kann sicherlich darüber reden, ob das Kulturamt bei der Auswahl aus den eingereichten Anträgen durch eine fachkundige Jury unterstützt wird. So ist das auch in anderen Städten oftmals der Fall. Falls die Stadtverwaltung eine entsprechende Änderung der Förderrichtlinien anstreben sollte, werden wir sowohl bei der konkreten Ausformulierung der Richtlinien als auch bei der Auswahl der Jury ein gewichtiges Wort mitreden.

 Der Spitze der Stadtverwaltung vor allem der Bürgermeisterin und Finanzdezernentin muss endlich klarwerden, dass Kulturförderung auch Wirtschaftsförderung ist. Wer überlegt, in Saarbrücken einen Job in Forschung und Entwicklung anzunehmen, schaut sehr genau hin, wie breit das kulturelle Angebot hier ist. Wer zu Konzerten, Aufführungen und Festivals in die Stadt kommt, unterstützt in der Regel auch Hotellerie, Gastronomieund Einzelhandel. Die Landeshauptstadt will sich immer stärker zur touristischen Destination entwickeln und hat zusammen mit dem Regionalverband gutes Geld in die Erarbeitung einer Tourismusstrategie investiert. Aber dazu gehört eben auch eine attraktive Kulturszene mit einer entsprechenden städtischen Förderung. Wenn, wie man hört, im aktuellen Krisenjahr selbst ein kulturtouristischer Leuchtturm wie das Filmfestival Max Ophüls Preis bei Oberbürgermeister und Bürgermeisterin nicht die notwendige Unterstützung erfährt, hätte man sich die Tourismusstrategie auch sparen können.

Susanne Commerçon-Mohr